Das Goethe-Institut hatte die ausgezeichnete Entscheidung getroffen, im Februar 22 “Wolke 9” von Andreas Dresen aus dem Jahr 2008 vorzuführen.
Der Film handelt von einem ganz tabuisierten Thema in der Gesellschaft und zwar der Sexualität der älteren Menschen. Als die Moderatorin uns dieses Thema vorgestellt hat, wussten wir nicht, was wir erwarten sollten. Tatsächlich wurde dieses Thema nie im Kino bearbeitet oder jedenfalls kenne ich diese Filme nicht. Nicht nur die Sexualität wird da thematisiert, sondern die Liebe im allgemeinen. Eine frische und lebensvolle Liebe, die man bei jüngeren Menschen erwarten würde. Inge ist seit 20 Jahren mit Werner verheiratet. Sie verliebt sich aber in einen anderen Mann, Karl, und sie beginnen eine Affäre, die zur Ehescheidung und zum Selbstmord Werners führt.
Was ich wirklich interessant fand, ist die Ästhetik des Filmes, die man als dokumentarisch charakterisieren könnte. Man hatte den Eindruck, das Leben eines wirklichen Paares zu beobachten, in seine eigene Privatsphäre einzutreten. Anscheinend absichtslos wurde diese Sexualität verschönert. Da es zum ersten Mal im Kino gezeigt wurde, hat man die Formen der Körper und ihre eigene Bewegungsart genießen können. Das Verlangen in einem älteren Körper, das man sich nicht gewöhnlich vorstellt, war im Laufe des ganzen Filmes spürbar.
Spannend waren auch die Beziehungen zwischen den Protagonist_innen. Der Film schilderte ganz genau die übereinstimmende Meinung der Gesellschaft. Am Anfang reagiert die Tochter Inges sehr gut, als sie erfährt, dass ihre Mutter eine andere Liebesbeziehung hat. Da Inge und Karl ältere Menschen sind, kann man sich fragen, ob sich die Tochter die Beziehung als eine konkrete, starke, sexuelle Liebesbeziehung vorstellt.
Denn als Inge die Beziehung offenlegen will, wird die Tochter ihre Mutter wie ein Kind behandeln und ihr vorwerfen, sie hätte die ganze Familie zerstört. Da trägt meiner Meinung nach der Film ein feministisches Echo, als die Mutter antwortet : “Ich habe nie meine Wünsche ausgesprochen, ich will jetzt endlich mal leben”. Die Mutter und Ehefrau wird endlich zur Frau und will ihre letzten Jahren vollständig erleben.
Ich empfehle ihnen wirklich diesen humorvollen und hochwichtigen Film, der mit den Erwartungen der Zuschauer_innen bricht.
“Wie ficken 80-jährige Menschen? Die eine macht einen Kopfstand und der andere lässt es reinfallen.”
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